Einst schnaubte V200 im Schwarzwald

Von Schwarzwälder-Bote 12.05.2014 - 18:35 Uhr
Schramberg. Seit wann gibt es Eisenbahnen in Deutschland? Und wie hieß der erste Zug, der zwischen Nürnberg und Fürth verkehrte? Ganz am Anfang der Geschichte, also im Jahr 1835, begann Michael Herberger vom Eisenbahnmuseum Schwarzwald seine spezielle Kinderführung.Natürlich konnte Herberger in einer Vitrine auch das passende Modell zeigen; etwa den "Adler", der im englischen Newcastle gebaut wurde, weil es in Deutschland zu dieser Zeit weder Lokomotiven noch Hersteller gab. Wenige Jahre später sah es hierzulande aber schon ganz anders aus: Alle großen Städte waren per Eisenbahn miteinander verbunden. Knapp 30 Stundenkilometer fuhr eine Lokomotive wie der "Adler" – im Vergleich zur Postkutsche, so erinnerte Herberger an das beschwerliche Reisen bis zu dieser Zeit, war dies fast viermal so schnell. Und die Geschwindigkeit der Züge nahm zu.

Erste elektrische Modell-Eisenbahnen gab es ab 1890 mit der alten Spur I von Märklin – zunächst noch ohne Transformator betrieben. Und wer das Glück hatte, Kind wohlhabender Eltern zu sein, der konnte mit der Eisenbahn spielen. Er musste aber höllisch aufpassen, keinen Stromschlag zu erleiden. Wie so eine richtig alte Blecheisenbahn aussieht – und passend dazu auch Tunnels und Bahnhöfe – zeigte Herberger den Besuchern in einer weiteren Vitrine. Und natürlich drehte dieser historische Zug auch einige Runden. Anhand von Modellen ließ Herberger die Kinder raten, warum frühere Güterwagen so klein und heutige viel, viel größer sind. Die Zugkraft der Lokomotive war wohl weniger entscheidend, wohl aber das Gewicht auf der Schiene. Denn bis zur Einführung gewalzter Stränge anstelle von gegossenen konnten diese lediglich Achslasten von sechs Tonnen tragen. Heute sind in Deutschland bis zu 24 Tonnen Achslast zugelassen, in den USA sogar 36 Tonnen, wie Herberger berichtete. Über ausgestellte Beispiele von Dampfkränen, die im Original bis nahezu 60 Tonnen heben konnten, und rund 150 Kilogramm schweren Lokomotiven für die Spur V – sogenannte Echtdampfloks, die gut und gerne auf Anhängern auch 20 Kinder über ein Festgelände ziehen können – streifte die Führung dann auch die Schmalspurloks. Denn neben der "echten" Spur II, für die nicht nur viele Handarbeitsmodelle in den Vitrinen des Museums für Staunen sorgen, gibt es auch auf den Anlagen schmalere Gleise für den gleichen Maßstab 1:22,5. Dort nämlich, wo es nur beengte Verhältnisse gab, sprich in Tälern und Bergen, wurde vor allem bei Nebenbahnen die Schmalspur in unterschiedlicher Weite verwendet: Hauptsächlich aber 1000 und 750 Millimeter Abstand zwischen den Schienen. So dampfen beispielsweise in Sachsen noch heute in einigen Tälern des Erzgebirges Schmalspurloks im Regelzugdienst, und in Graubünden in der Schweiz werden mit modernen Elektroloks und Zugkompositionen neben Personen auch Güter noch auf schmaler Spur transportiert. Und so konnte Herberger dann auch auf die große Anlage in seinem Museum verweisen, auf der nicht nur Kultlokomotiven wie die V200, die einst auch auf der Schwarzwaldbahn unterwegs war, ihre Runden dreht, sondern auch weiter oben "im Gebirge" rhätische Schmalspurzüge mit Triebwagen und Krokodillok zu sehen sind.

Die nächste Kinderführung im Eisenbahnmuseum Schwarzwald ist am Sonntag, 1. Juni. In der Regel werden sie immer an Feriensonntagen sowie an Sonntagen nach Brückentagen angeboten. Am Pfingstwochenende ist von Samstag bis Montag zudem Treffen der Interessengemeinschaft Spur II, Gruppe Süd, zu der zu den üblichen Öffnungszeiten Modellbauer aus ganz Deutschland an ihren Lokomotiven bauen und sie testen. Darüber hinaus wird auch ein "Echtdampfer" zu dieser Zeit angeheizt werden.

Quelle: https://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.schramberg-einst-schnaubte-v200-im-schwarzwald.456b5898-c3b2-45c2-999c-b107d380806e.html

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